Es war einmal … die menschliche Intelligenz

Es gibt Tage wie Heute – wir schreiben mittlerweile den 15. Dezember, 04:08 Uhr, und es sind noch 9 Tage bis Weihnachten – an denen lässt mich der Gedanke nicht los, wie wir, die wir uns menschliche Individuen schimpfen und darauf auch noch stolz sind, zulassen können, dass wir systematisch verdummen. Wenn du jetzt da sitzt, dir die Kinnlade auf die Tastatur knallt und der Meinung bist, dass ich ja nicht mehr alle Tassen im Schrank habe, wenn ich sage, dass jeder Einzelne von uns dabei ist seinen Verstand in der Pfeife zu rauchen, dann wird dir dieser Text wahrscheinlich nicht gefallen.

Du fragst dich vielleicht, was der ausschlaggebende Grund für meine Behauptung ist – wenn nicht, dann ist das auch in Ordnung. In einem Forum hatten wir die Diskussion, was denn unsere Lieblingsserien und -filme seien und warum, bzw. warum wir bestimmte Serien und Filme gar nicht gern schauen. Ich ließ mich wie so oft in eine Debatte verstricken, die damit endete, dass ich mir sagen lassen musste: Aber ich bin damit aufgewachsen.
Im Ernst. Ist das die Rechtfertigung für alles? – falls du, die du das oben geschrieben hast, das hier liest, das ist kein Angriff gegen dich. Ich habe mir nur die Zeit genommen, darüber nachzudenken und mir eine Meinung dazu zu bilden.
Ich predige immer, dass ich es nicht mehr einsehe, dass ich mich als Deutsche nach wie vor für das entschuldigen muss, was irgendso ein brauner Typ aus Österreich mit der Welt angestellt hat – in meinen Augen übrigens die perfekte Möglichkeit die Schuld mal wieder auf die Deutschen abzuwälzen. Aber gleichzeitig kann ich mich nicht hinstellen und sagen: das war vor meiner Geburt, mich geht das alles nichts an. Und wie mich das was angeht.

Genauso wie es mich angeht, wenn Frauen und Teenagerinnen sagen, dass sie von ihren Kerlen nicht wie Dreck behandelt werden wollen, aber gleichzeitig Männer wie Barney Stinson (schreibt man den so?) und Charlie Harper in den Himmel loben. Wie kann ich als Frau einerseits das Sinnbild eines Machos vergöttern und dann behaupten, dass ich es scheiße finde, wenn mein Kerl mich genau so behandelt? Da könnte ich nicht mehr in den Spiegel sehen.

Aber wie sind wir eigentlich darauf gekommen? Genau: Lieblingsserien und -filme. Ich gehöre zu der Generation, die mit Zeichentrickserien, Cartoons und dem Auftakt des Anime aufgewachsen ist. In meiner Kindheit schwappten gerade Serien wie „kleine Prinzessin Sara“, „Lady Oscar“, „Katzenauge“ und wie sie alle hießen aus Japan herüber. Ich bin – wenn ich denn mal in den Genuss kam, TV zu sehen – damit aufgewachsen, dass es in Frankreich eine französische Revolution gab, die alles andere als royal war und dass u.A. Marie Antoinette eine große Schuld an deren Ausbruch hatte. Ich lernte schon als Kind, dass Krieg zwei Seiten hat. Auch lernte ich, dass es im Leben mehr gibt, als nur Mama und Papa. Denn was, wenn es diese beiden irgendwann einmal nicht mehr gibt? Dann gibt es noch die Freunde, die Form der Familie, die man sich selbst aussucht. Doch was bedeutet Freundschaft? Ich sah es als Kind im TV und ich sah es in meinem Umfeld. Wir lebten das, was wir in der sporadischen TV-Zeit sahen. Filme und Serien waren durch die Blume sozialkritisch, häufig musste man mitdenken, damit sich einem die Geschichte dahinter erschloss. In den seltensten Fällen sah man sich Sendungen an, die eine platte Handlung hatten. Diese waren in meiner Teenagerzeit ausschließlich zum Fernsehschlafen geeignet.

Wenn ich mir aber heute die Kids und Teens anschaue, die sich den halben Tag vor dem Fernseher berieseln lassen, von Leuten, die kaum einen größeren Wortschatz als ein Papagei haben, mit ihrem dauernden Diggeralder und Yo Motherfucker. Was lernt man denn bei Frauentausch außer, dass es gerechtfertigt ist, jemanden als Hure, Nutte, Schlampe, Hurensohn oder Bastard zu beschimpfen? Was wird der Jugend beigebracht außer, dass man bei der ersten Krise zuschlägt?
Natürlich wird jetzt der Aufschrei kommen, dass man ja wisse, dass man Frauentausch nicht glauben darf. Ja, vielleicht ist das so, vielleicht weiß man das. Vielleicht versteht man, dass bei Berlin Tag und Nacht genauso ein Drehbuch vorhanden ist, wie bei Frauentausch und die Super Nanny. Aber wenn ich mich tagein, tagaus mit dem selben flachen TV-Programm berieseln lasse, dann kenn ich doch irgendwann nichts anderes mehr.

In der heutigen Zeit wird den Jugendlichen jede Handlung vorgekaut. Kaum einer nimmt noch ein Buch zur Hand und liest mal eine etwas schwierigere Lektüre als die Fernsehzeitung. Nicht nur ein Kind bekommt flache Serien/Filme vorgesetzt sobald er den Fernseher einschaltet. Nein, es ist die gesamte Generation. Wie lernen dann diese Jugendlichen, dass es noch etwas anderes gibt? Das soziale Miteinander, die sogenannte Sozialkompetenz, verkümmert immer mehr und irgendwann sehen diese jungen Menschen keinen anderen Weg mehr, außer andere anzupöbeln, sich gegenseitig zu beschimpfen oder gar zu prügeln.

Um es mal auf den Alltag umzumünzen: Die Jugend von heute ist noch nicht mal mehr im Stande die berühmteste Suchmaschine der Welt zu benutzen, wenn sie mal weiter weiß. Es ist so einfach, im Duden nach der Bedeutung eines Wortes nachzuschlagen, wenn man denn im Stande wäre, weiter als nur bis zur nächsten Ecke zu denken. Durch das ständige Vorkauen in den Medien und der Onlineinteraktion durch Dienste wie Twitter oder Facebook ist es den Jugendlichen beinahe unmöglich eigeninitiativ zu denken und zu handeln.

Ob man das Volksverdummung nennen kann? Sicherlich. Ich lehne mich sogar soweit aus dem Fenster und sage, wenn nicht bald was passiert, dann haben wir ein ziemlich großes Problem.


 
 
 

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