kleiner Garntest

In den vergangenen Jahren habe ich öfter Maschinen zu Gesicht bekommen, die plötzlich nicht mehr richtig nähten. Bekannte und Freunde kamen aufgelöst zu mir und erzählten mir, dass die Maschine nur noch Garnsalat fabriziere. Wenn ich die häufigsten Ursachen für Fehlstiche ausschloss, kam es nicht selten vor, dass der Fehler am Garn lag. Damit du zukünftig nicht den selben Fehler machst, habe ich dir hier einen kleinen Garntest.

Vorne weg muss ich dazu sagen, dass meine alte Nähmaschine sehr genügsam ist, was Garne anbelangt. Aber auch sie fängt hin und wieder an zu zicken – vor allem, wenn ich die Zwillingsnadel nutze oder wenn die Maschine etwas verstaubt ist. Gerade letzteres führt bei meiner Maschine unter Verwendung von billigem Garn gern zu Fadensalat.

kleiner Garntest

Der Testaufbau

Ich habe mit einer frisch gereinigten und geölten Gritzner Exact 141 genäht. Diese Maschine ist Baujahr 1988 und gehört zu den mechanischen Nähmaschinen. Sämtliche Garne wurden neu aufgespult. Meine Garne wählte ich nach der Kaufhäufigkeit, sowie nach Material. Verwendet wurden 100% Polyestergarne für Nähmaschinen (keine Overlockgarne oder dergleichen) aus unterschiedlichen Preisklassen.

Die Garne

Verwendet habe ich folgende Garnhersteller für den Garntest:

  • Amann
  • Gütermann
  • Toldi
  • Buttinette
  • Troja (aus dem Amann-Niedrigpreissektor)
  • Wenco
  • LIDL 1
  • LIDL 2

Amann und Gütermann sind die wohl am hochpreisigsten. Sie führen qualitativ das Feld an und es gibt sie in unzähligen Farben. Zusätzlich gibt es von Amann und Gütermann saisonbedingte Farben. Beide Hersteller vertreiben unterschiedliche Garne für die verschiedenen Verwendungszwecke. Außerdem gibt es unterschiedliche Garnstärken.

Toldi, Buttinette und Troja gehören zum mittleren Preissegment. Troja ist der preiswerte Allrounder von Amann. Buttinette ist die Eigenmarke des gleichnamigen Versandhandels. Toldi wiederum ist die preiswerte Klasse von Gütermann.

Wenco wird zumeist in Discountern und Kaufhäusern vertrieben, die eine kleine Handarbeitsecke haben. Dieses Garn gibt es oft in kleinen Sortimentsboxen für wenige Euro zu kaufen. Es ist mit das günstigste Garn aber von minderwertiger Qualität. Ich persönlich nutze Wenco nur, wenn ich etwas von Hand nähen möchte, da das Garn der dauerhaften Belastung einer Nähmaschine nicht wirklich standhält.

LILD 1 und LIDL 2 werden ebenfalls in Sortimentboxen verkauft. Diese Boxen gibt es immer dann, wenn LIDL die Handarbeitswoche hat. Normalerweise würde ich dieses Garn nicht verwenden, aber wie der Zufall so will, habe ich mittlerweile drei Sortimente davon hier und gerade meine alte Dame mag das Garn sehr gerne.

Achtung: Nicht jede Maschine kann das LIDL-Garn verwenden. Hierbei kommt es stark darauf an, wie zickig die Maschine bei Garn ist. Es gibt Maschinen, die kommen mit fast jedem Garn klar. LIDL ist von der Verarbeitung her nicht wirklich besser als Wenco (weiteres dazu später), allerdings spricht die Zwirnqualität hier für sich.

Das Testmaterial

Für den Test habe ich zwei Stoffstücke aneinandergenäht. Das eine Stück ist schwarze Ditte vom schwedischen Möbelhaus. Das andere naturfarbener Bomul vom selben Händler.
Ditte ist etwas steifer als Bomull aber beide Stoffe haben ein ähnliches Gewebe, weswegen sie sich für diesen Test sehr gut geeignet haben.
Als Nadel habe ich eine neue 100er Universalnadel aus dem Hause Organ verwendet. Es war mir wichtig, eine neue Nadel zu verwenden, um den Test nicht durch eine bereits abgenutzte gebrauchte Nadel zu verfälschen. Normalerweise würde ich bei diesem Gewebe eine 90er Nadel nehmen. Die in der Box vorhandene war aber schon gebraucht. Somit musste die 100er herhalten.

Die Nähmaschine

Wie weiter oben bereits erwähnt, benutze ich eine fast 30 Jahre alte Gritzner Exact 141. Sie wurde für den Test nochmal gereinigt und geölt. Die Oberfadenspannung lag durchgehend bei 3,5, ebenso die Stichlänge. Die Unterfadenspannung habe ich nicht verändert. Genäht wurde im Standard-Geradstich.

Der Start

Zuerst wurden sämtliche Garne neu aufgespult. Hierfür verwendete ich Kunststoffspulen (bis auf das Garn von Buttinette. Das war auf eine Metallspule gespult). Dann habe ich mir die Schnittenden der einzelnen Garne nochmal genauer angeschaut. Es fällt auf, dass die Garne im günstigen Preissektor schon leicht auseinander gehen und viel flauschiger aussehen, als die im höheren Preissegment.

Bei den Spulen sieht man den Unterschied zwischen hochwertiger und minderwertiger Qualität fast am Deutlichsten. Während der Übergang auf der Spule bei der höheren Qualität sehr hart aussieht und man jeden Fadenumlauf einzeln erkennen kann, wird das immer schwerer, je günstiger das Garn ist. Hochwertiges Garn ist sehr eng gezwirbelt. Die einzelnen Zwirne ergeben dadurch ein sauberes Garn, bei dem kaum Härchen herausstehen. Bei minderwertigem Garn sind die Zwirne nicht so fest gezwirbelt. Das merkt man immer dann, wenn man versucht, das Garn durch ein winziges Nadelöhr zu fädeln und dann daran scheitert, weil sich das Garn aufzwirbelt. Wenn man günstiges Garn genauer betrachtet, stehen überall feine Härchen heraus. Diese lassen das Garn auf der Spule flauschig aussehen und anfühlen, hat aber den Nachteil, dass diese Härchen in der Nähmaschine richtige Fussel bilden, die Maschine verdrecken und durch den Abrieb dazu führt, dass das Garn früher reißt.

Dann habe ich mir sämtliche Garne nochmal genauer angeschaut. Die Pfeile auf den Bildern zeigen deutlich, an welchen Stellen sich kleine Knötchen gebildet haben oder wo die Garne ausgedünnt sind. Diese Knötchen entstehen bei mangelhafter Produktion und führen in der Nähmaschine zu Abrieb an den Spannungsscheiben, einer veränderten Fadenspannung (sowohl am Ober- als auch am Unterfaden) sowie Flusen. Die ausgedünnten Stellen sind später die Stellen, an denen das Garn auf Grund von Abrieb und Belastung am ehesten reißen wird – künstlich erstellte Sollbruchstellen.

Das Nähen

Beim Nähen habe ich darauf geachtet, dass sowohl Ober- als auch Unterfaden auf beiden Stoffen vertreten sind. Ich finde, man erkennt ganz gut, dass sich das Nahtbild verschlechtert, je günstiger das Garn ist. Während ich das große Glück habe, dass meine Maschine fast ausnahmslos alles an Garn nimmt, was ich ihr vorsetze, würden andere Maschinen an dieser Stelle bereits die Segel streichen, Garnsalat fabrizieren oder ganz streiken. Die Lady Gritzner zeigt mir stattdessen „nur“ anhand des Nathbilds, ob ihr das Garn behagt oder nicht. Anders sieht es stattdessen aus, wenn ich eine Zwilligsnadel verwende. Da bin ich tatsächlich dazu gezwungen, das hochwertige Garn – oder alternativ das von Buttinette – zu verwenden.

auf schwarzem Gewebe

 

auf weißem Gewebe

Mein Fazit

Wenn du auf Nummer sicher gehen und Garnsalat verhindern möchtest, empfehle ich dir Garn aus dem höheren oder dem mittleren Preissegment. Ich persönlich habe mit all meinen Nähmaschinen bisher die besten Erfahrungen mit Amann, Gütermann und Buttinette gemacht. Die funktionieren bei meiner Gritzner, bei meiner alten AEG, bei der W6 einer Bekannten und bei der alten Pfaff meiner Oma.

Wirklich abraten kann ich dir nur vom Wenco. Selbst meine Gritzner, die ja wirklich alles an Garn nimmt, mag das Wenco-Garn nicht. Nach der Benutzung muss ich die Maschine grundreinigen, das Garn reißt schnell und es beschädigt mir meine Spannungsscheiben.

Zum LIDL-Garn möchte ich allerdings noch sagen, dass ich persönlich es sehr gerne in meiner Gritzner verwende. Hier fehlt mir leider die Erfahrung mit den anderen Maschinen um sagen zu können, wie sich das Garn dort verhält.

Schlussendlich musst du für dich entscheiden, welches Garn du deiner Maschine gibst. Nur denk daran: Wenn deine Maschine einen Fadensalat verursacht, das Garn schnell reißt oder sich die Fadenspannung ständig ändert, ohne dass du was verstellt hast, dann kann das in den meisten Fällen wirklich am Garn liegen.

Mein Tipp

Kauf dir für den Anfang ein Sortiment an hochwertigem oder mittelklassigem Garn. Das sollte aus den gängigsten Farben wie schwarz, weiß, grau, rot, blau, grün und gelb bestehen. Im Verlauf deiner Nähzeit wirst du recht bald feststellen, welche Garnfarben dir noch fehlen. Diese werden dann selbstredend ergänzt. Erst dann würde ich mich an den günstigen Garnen versuchen. Denn du wirst ziemlich enttäuscht sein, wenn du eine bestimmte Farbe von z.B. LIDL hast, deine Maschine aber streikt und du keine Alternative besitzt. Anders sieht es aus, wenn du dir bereits ein Sortiment an Garnen zugelegt hast und deine Nähmaschine dann beim günstigen Garn streikt. Dann heißt es: Experiment gescheitert, ich nehme wieder das hochwertigere.

Ich hoffe, ich konnte mit diesem kleinen Garntest einige Unklarheiten beseitigen und dir bei deiner zukünftigen Näherei helfen. Lass mir doch einen Kommentar da!

Geplant

Für die Zukunft möchte ich noch einige weitere Garntests anhängen. Diese werden im Lauf der Zeit dann noch ergänzt.

  • Garntest mit anderen Stoffen (Jersey, Sweat, Leinen, etc.)
  • Garntest mit Spezialnadeln (z.B. Zwillingsnadel)
  • Ergänzende Garne (von z.B. IKEA, ALDI und co.)

Du kannst dir den Garntest auch hier als PDF runterladen. Dann hast du ihn immer griffbereit.

Download “kleiner Garntest2017_Occupatio-kleiner_Garntest.pdf – 85-mal heruntergeladen – 390 KB


 
 
 

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