Die häufigsten Ursachen für Fehlstiche

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IMG_9402_01Heute habe ich für dich keine Anleitung, sondern eher so eine Art Übersicht über die wichtigsten Dinge, die man beim Nähen falsch machen kann. Damit diese Übersicht sinnvoll ist, gehen wir von der Ausgangssituation aus, dass sich deine Nähmaschine plötzlich anders verhält, als du es von ihr gewohnt bist.
Normalerweise lässt sie plötzlich Stiche aus, bildet keine Schlaufen mehr mit dem Unterfaden oder bildet gar zu viele Schlaufen, so dass die linke Seite unsauber oder chaotisch aussieht.
Wir alle standen schon mal vor genau diesem Problem – und sofern an der Mechanik der Maschine nichts kaputt ist (z.B. eine verbogene Nadelstange), lässt sich das Problem mit einigen wenigen Schritten beheben.

Wichtig:

Diese Übersicht ist nur für mechanische Nähmaschinen gedacht, da ich von computergesteuerten Maschinen keine Ahnung habe. Ich selbst besitze eine 28 Jahre alte Gritzner, die mir treue Dienste erweist. Aber meine Übersicht ist auch auf andere Maschinen übertragbar (z.B. Pfaff Timpatic 1025, Pfaff Varimatic 6085, Singer Tradition, etc.).

 

1. Schritt – Garn

Ich ertappe mich immer wieder dabei, wie ich in Ermangelung von Zeit oder Geld doch mal zu Garn greife, das vlt in einer Nähbox mitgeliefert wurde, die ich mir mal kaufte, weil ich dringend die Schere oder die Reißverschlüsse oder dergleichen haben wollte. Dieses Garn ist in den meisten Fällen von minderwertiger Qualität. Auch die Nähgarndosen mit den verschiedenen Farben sind ungeeignet. Stattdessen ist es besser nicht am Garn zu sparen und dann eben das Nähwerk ein paar Tage ruhen zu lassen, bis man hochwertigeren Ersatz gekauft hat. Das hat dann auch den Vorteil, dass führende Hersteller von Nähgarn eine viel größere Auswahl an Farben und Stärken haben – denn auch die Garnstärke kann dafür verantwortlich sein, ob die Naht gelingt oder nicht.

IMG_9422_01Auf dem Bild siehst du fünf verschiedene Garne, die ich in meinem Fundus habe. Von oben nach unten sind das Gütermann, Troja, Amann, Buttinette (die Eigenmarke) und ein NoName-Garn.
Bei allen fünf Garnen handelt es sich um 100% Polyester. D.h. es ist ein Kunststoffgarn und kein Baumwollgarn.
Trotz der unterschiedlichen Farben erkennt man sehr deutlich die verschiedenen Qualitäten. Die oberen drei Garne sind die mit Abstand teuersten – aber auch die Besten auf dem Markt.

Ich selbst bevorzuge das Garn von Buttinette. Meine Maschine kommt wunderbar damit zurecht, es fusselt nicht und es ist eine günstige Alternative zu Gütermann, Amann und co.

Gütermann
Amann (96 Farben)
Troja

Woran erkennst du nun ein teures Garn und woran ein Günstiges?

Beim teuren Garn sieht man sehr deutlich, wie eng die einzelnen Fäden zum Garn gezwirbelt wurden. Es schauen kaum Härchen raus und dank des engen Zwirbelns hat das Garn auf der Spule einen schönen Oberflächenglanz.
Günstiges Garn ist nicht so fest gezwirbelt. Dadurch lösen sich die einzelnen Fäden sehr schnell voneinander (was man sehr deutlich merkt, wenn man das Garn ins Nadelöhr bekommen möchte!). Außerdem enthält das Garn kleine Knötchen (auf dem Bild mit Pfeilen markiert), es fusselt stärker und es reißt leichter.

Da liegt dann auch schon der Hase im Pfeffer:
Wenn du ein günstiges Garn in deiner Maschine verwendest, lösen sich beim Nähen die Fussel und Härchen und verschmutzen deine Maschine. Da mechanische Maschinen geölt werden müssen, sammelt sich der Dreck im Maschinenöl und verklebt dort die Mechanik. Dadurch kann sich z.B. die Spulenkapsel im Boden der Maschine nicht richtig drehen und die Schlaufenbildung wird behindert. Der Greifer kann nicht richtig laufen und es kommt zu Fehlstichen oder zu Verknotungen.

Natürlich kann dies auch bei hochwertigem Garn passieren, weswegen die Maschine regelmäßig gereinigt werden muss. Mehr dazu später.

2. Schritt – Nadeln

Auch die Nadeln können eine Fehlerquelle darstellen. In der Nähwelt gibt es viele verschiedene Anbieter für Nähmaschinennadeln. Dazu gehören ebenfalls die günstigen wie z.B. Wenco oder Butterfly sowie die teureren wie z.B. Organ oder Schmetz.
Bevor wir jetzt zu den verschiedenen Herstellern kommen, möchte ich noch erwähnen, dass es ebenfalls wichtig ist, die Nadel anhand des Stoffes auszuwählen. Jersey oder Bündchenware vernäht man z.B. mit Jersey- oder Stretch-Nadeln. Denim, Köper und co. sollte man mit Jeansnadeln nähen. Für Leder, Kunstleder und beschichtete Stoffe wie z.B. Wachstuch eignet sich eine Ledernadel. Universalnadeln benutze ich persönlich nur noch für dünne Webware.
Außerdem spielt auch die Nadelstarke eine Rolle. Je dicker der Stoff, desto dicker sollte die Nadel sein. Bei dünnem Stoff eignet sich keine dicke Nadel, da diese Löcher in den Stoff haut.

Nun zu den Herstellern.
Bei günstigen Herstellern gibt es oftmals das Problem, dass die Nadeln feine Grate aufweisen – meist befinden sich diese im Nadelöhr und an der –spitze. Diese Grate rauen die Garne auf und bringen sie zum reißen. Dabei ist es auf Dauer irrelevant, wie hochwertig oder stabil das Garn ist – über kurz oder lang wird es reißen. Außerdem können Grate an der Nadelspitze dazu führen, dass Löcher in den Stoff gerissen werden. Das ist dann natürlich nicht schön.

Des Weiteren bestehen günstige Nadeln meist aus einer „Butter-Käse-Legierung“ (Danke, Mister X, für diese sehr treffende Formulierung!). D.h. das Material ist weich und nicht dafür ausgelegt, der hohen Belastung durch eine Nähmaschine Stand zu halten. Außerdem können Produktion, äußere Einflüsse und Lagerung dazu führen, dass die Nadeln schon minimal verbogen sind, wenn man sie zum ersten Mal aus der Verpackung nimmt.
Bei hochwertigen Nadeln gibt es keine Grate. Die Nadeln sind normiert und geprüft. Ich habe in all den Jahren, in denen ich nähe, noch nie eine verbogene Nadel aus der Box genommen.

Wichtig!

Nadeln sollten generell alle paar Nähstunden gewechselt werden. Sie verschleißen durch die Belastung beim Nähen (Vergleichbar mit einem Messer, das irgendwann stumpf wird). Ein guter Anhaltspunkt ist es, wenn z.B. die Nähmaschine anfängt, Stiche auszulassen und man alle anderen Punkte als Ursache ausgeschlossen hat.

Ich bevorzuge Nadeln von Organ. Sie sind stabil, haben ein hervorragendes Preis-Leistungsverhältnis und ich kann sie wunderbar sowohl für meine normale Nähmaschine als auch für die Overlock (Super-Stretch-Nadeln!!) verwenden.

Organ (Sortimentsbox)
Schmetz (Sortimentsbox)

Woran erkennst du nun eine teure Nadel und woran eine Günstige?

Teure Nadeln von Schmetz oder Organ sind farbcodiert. Entweder ist der Kolben farbig oder sie haben einen farbigen Steg (Zwillingsnadeln). Sollte die Nadel nicht farbcodiert sein, so befindet sich auf dem Kolben immer eine Gravur mit der Stärke der Nadeln. Günstige Nadeln haben nur den Herstellernamen dort stehen (z.B. Butterfly) oder gar nichts (z.B. Wenco).

Eine ausführliche Übersicht über die verschiedenen Nadeln, und wofür sie verwendet werden, folgt.

Auf den nachfolgenden Fotos siehst du sehr deutlich die Unterschiede verschiedener Nadeln. Auf dem ersten Bild zeige ich dir ein Päckchen mit Organ- und ein Päckchen mit Schmetz-Nadeln. Jeweils Jersey. Das andere Foto wurde mir von Organ zur Verfügung gestellt und zeigt sehr deutlich die farbigen Kolben auf.

IMG_9416_01 SB-Combi-10

3. Schritt – Reinigung

Wie bereits im zweiten Schritt erwähnt, kommt es beim Nähen zwangsläufig zu Fusseln in der Maschine. Diese entstehen durch die Reibung, die das Garn bei seinem Weg erfährt, sowie durch den Stoff, den du verarbeitest. Darum ist es wichtig, dass du deine Maschine regelmäßig reinigst. Wichtig ist hierbei nicht nur die Klappe für die Spulenaufnahme des Unterfadens zu öffnen und dort die Fussel herauszupinseln, sondern auch die Spulenkapsel, die Führung und den Bereich unterhalb der Stichplatte zu reinigen.
Die Stichplatte kannst du am Besten mit einer Ratsche entfernen. Zwar haben die meisten Nähmaschinen in ihrem Lieferumfang einen kleinen Schraubendreher beiliegen, aber der ist oftmals immer noch zu lang oder der Winkel passt nicht und man kann meist eine der drei Schrauben nicht lösen. Mister X stellt mir dann immer ein Ratschensortiment zur Verfügung. Ein Ratschenset besteht meist aus einer Box in der sich ein bis drei verschiedene Ratschen befinden. Dazu gehört eine Verlängerung, verschiedene Nüsse und Bits. Ja, ich weiß, das klingt jetzt wieder sehr handwerklich, aber der Umgang mit einer Ratsche ist wirklich einfach.

Mister X hat mir dieses Ratschenset zur Verfügung gestellt: http://amzn.to/29hTQos

IMG_9428_01Ich habe für mich festgestellt, dass es am Einfachsten ist, den unteren Bereich der Nähmaschine auszusaugen. Dafür kannst du einen Trinkhalmaufsatz für Babyflaschen zweckentfremden. Das kostet keine 2€ und ermöglicht es dir deine Nähmaschine vernünftig zu reinigen.

Den Aufsatz bekommst du bei DM von der Marke Babylove. Der Aufsatz, der über die Flasche gestülpt wird, passt perfekt über jedes handelsübliche Staubsaugerrohr (mit Ausnahme Vorwerk und Dyson) und der aufgesteckte Strohhalm ist ideal um auch in die hintersten Ecken zu kommen. Achte nur darauf, dass du mit dem Ende, das in den Aufsatz kommt, das „Ventil“ durchstichst. Das Ventil ist nämlich etwas hinderlich beim Aussaugen.

Eine ausführliche Anleitung folgt auch hierzu.

Manchmal passiert es, dass sich einzelne Garnreste im Spulenraum sammeln. Diese hindern die Spulenkapsel und den Greifer daran, vernünftig zu laufen. Es entsteht Reibung, das Garn kann nicht mehr richtig geführt werden und es kommt zu Fehlstichen.

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IMG_9426_01Bei der Reinigung solltest du auch nicht die Führung der Oberfadenspannung vergessen. Gerade wenn man doch mal zu günstigem Garn gegriffen hat, kann es passieren, dass sich Staub, Fussel, Garnreste zwischen die Spannungsscheiben stehlen und ein sauberes Durchgleiten des Garns verhindern. Es kommt immer wieder zu Reibung und Unterbrechungen, wodurch auf das Garn eine höhere Spannung kommt, als eingestellt. Dadurch wird die Nadel etwas gebogen und es kommt erneut zu Fehlstichen.

IMG_9405_ß1Um zwischen den Spannungsscheiben sauber zu machen, eignet sich hervorragend ungewachste Zahnseide. Zum Reinigen stellst du die Oberfadenspannung am Besten auf 0.

Wichtig!

Achte darauf, dass die Maschine nach einer Reinigung wieder geölt werden muss, damit die einzelnen Teile wieder einwandfrei funktionieren. Bitte schau hierfür in deine Anleitung. Solltest du keine Anleitung mehr haben, findest du oftmals online ein PDF.

Fazit

Wenn du das Garn gewechselt, die Nadel getauscht und die Maschine gereinigt hast, musst du sie nun natürlich wieder neu einstellen. Sollte sie wider Erwarten immer noch Stiche auslassen oder gar ein Garnchaos auf der Stoffunterseite veranstalten, ist es an der Zeit, sie zum Nähmaschinenservice zu bringen, denn dann ist wohl die Nadelstange verbogen oder der Greifer hat einen Schaden genommen.

Ich hoffe, dass ich dir mit dieser Übersicht die häufigsten Ursachen für Fehlstiche nahe legen konnte. Gib mir doch ein kurzes Feedback, ob dieser Artikel hilfreich für dich war.
Wenn es Bereiche rund um das Nähen gibt, die dich interessieren oder zu denen du noch Fragen hast, schreib sie bitte in die Kommentare 😉 Dann weiß ich, worüber ich als nächstes schreibe.

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3 Kommentare

  1. Renate sagt: Antworten

    Liebe Sidney, sehr interessant, jetzt ist mir endlich klar warum ich nicht nähen kann. Gut und verständlich geschrieben. Mein Kompliment. Renate

    1. Sidney Sidney sagt:

      Liebe Renate,
      Nähen ist eigentlich ganz einfach. Man braucht nur jemanden der einem ganz geduldig die Maschine erklärt und nicht die nerven verliert, wenn mal was nicht sofort funktioniert. Der Rest kommt dann von alleine 😉

      Es freut mich, dass dir der Artikel gefällt!
      Liebe grüße,
      Sidney

  2. […] glaube, das sind zwei Momente. Der erste war, als ich mit meinen Beitrag über die Gründe für Fehlstiche über 2000 Klicks an nur einem Tag generieren konnte. Das war echt ein Highlight. Im Zuge dessen […]

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