[Buchflüsterer #4] Annette Mingels – Was alles war

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Wahlverwandtschaften – der große Familienroman für unsere Zeit

Für ihre Eltern war Susa das lange ersehnte Kind, es fehlte ihr an nichts. Dass sie adoptiert wurde, hat sie nie gestört. Als erwachsene Frau verspürt sie zwar eine leichte Neugier auf die leibliche Mutter, aber als sie Viola kennenlernt, ist diese für sie eine Fremde. Doch das Treffen setzt mehr in Bewegung als vermutet. Die Frage, was Familie eigentlich ausmacht, erhält für Susa eine neue Bedeutung, auch, weil sie sich in Henryk verliebt, der zwei Töchter mit in die Beziehung bringt …

Annette Mingels – Was alles war

Die ersten Worte, die mir bei diesem Buch in den Sinn kommen: Belanglos und seicht. Ja, ich denke „belanglos“ trifft es wirklich am Besten. Im Lauf meiner Lesezeit habe ich viele Bücher gelesen, die seicht waren – leichte Lektüre für zwischendurch. Etwas, was nicht anstrengt, bei dem man nicht viel denken muss. Hin und wieder lese ich solche Bücher sogar ganz gerne. Vor allem, wenn ich im Vorfeld etwas Autobiografisches gelesen habe – oder sich mal wieder ein beinharter Thriller eingeschlichen hat. Aber mit „Was alles war“ habe ich ein dermaßen belangloses Buch gelesen, dass ich mich im Anschluss gefragt habe: War’s das schon?

Das Gefühl der Belanglosigkeit verfolgte mich leider durch das ganze Buch. Ich empfand es teilweise als sehr anstrengend, da Frau Mingels nicht eine einzige wörtliche Rede verwendet. Das wäre nicht das Problem gewesen, wenn phasenweise die Absätze nicht so verworren gewesen wären, dass ich sie drei-, viermal lesen musste und noch immer nicht weiß, ob es sich hierbei um gesprochene oder gedachte Formulierungen handelte. Mich störte außerdem, dass mitten im Buch die Erzählperspektive wechselt. Im ersten Teil schreibt sie noch aus Susas Sicht, plötzlich befindet sich Frau Mingels in der Position des Erzählers. Dann geht es wieder aus Susas Sicht weiter. Zwischendurch begleitet sie Henryk zu seiner Vorlesung, wobei noch nicht einmal mehr sein Name ausgeschrieben wird. Sollte das stilistisch wertvoll sein? Ich stolperte da jedenfalls. Es beeinträchtigte meinen Lesefluss. Auch, dass sie nur die amerikanischen Städte ausschreibt, nicht aber die deutschen, empfand ich als störend.

Die Idee, eine Protagonistin aus dem Leben zu zupfen und sie ein stückweit zu begleiten, durch ihren Alltag, durch ihren Beruf, ihr Familienleben, ist nicht neu. Auch dass die Protagonistin adoptiert ist und irgendwie von einer Neugier auf ihre leiblichen Eltern getrieben wird, ist nicht unbedingt ein Paradebeispiel für Innovation. Aber die Handlung hätte durchaus eine solide Struktur haben können, wenn sich Frau Mingels mehr Zeit genommen hätte. Das Buch wirkt abgehetzt. Eine Aneinanderreihung von Geschehnissen, ohne Luft zu holen, manchmal ohne Punkt und ohne Komma. Die abgehackte, Stakkato-ähnliche Schreibweise untermalt das sogar noch.

Befremdlich fand ich außerdem, dass sie versuchte, der Beziehung zwischen Susa und ihrem Halbbruder Cosmo eine Art Verruchtheit zu geben, die einfach nur verunfallt wirkte. Ich habe nichts dagegen, ein Buch zu lesen, in dem tabuisierte Themen zur Sprache kommen (Inzest war z.B. auch in „Die Nebel von Avalon“ ein Thema). Aber der Schreiberling muss sich entscheiden: Will er seinem Buch diesen Dreh mitgeben oder bleibt er auf gewohntem Terrain? Wenn Frau Mingels sich für die eine Seite entscheidet, bei der Susa sich tatsächlich zu ihrem Bruder hingezogen fühlt, dann hätte sie einfach noch einen Schritt weitergehen müssen um diese Thematik abzurunden. Auch die andere Seite, bei der Susa „nur“ ihren Bruder kennenlernt und entdeckt, dass sie geschwisterliche Gefühle für ihn hegt, ist in Ordnung. Aber diese verruchte Andeutung lässt die Handlung an dieser Stelle unbeholfen wirken. Unausgegoren, nicht durchdacht oder gar abgeschlossen.

Mein Fazit? Definitiv kein Buch, das man gelesen haben muss oder das ich weiterempfehlen würde.

Diese Rezension erschien zuerst auf Buecher.de

Buchdetails:

  • Gebunden: 288 Seiten
  • Verlag: Albrecht Knaus Verlag (6. März 2017)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3813507556
  • ISBN-13: 978-3813507553
  • Größe und/oder Gewicht: 21,5 x 13,5cm
  • Preis: 19,99€

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