[Panem-Challenge] Mariella Heyd – Als der Tod die Liebe fand

Ich hatte wieder Glück, dass ich genau in dem Moment online gewesen bin, als Mariella nach Lesern für ihr neuestes Buch gesucht hatte. Um genau zu sein, war ich mit Occupatio die Erste, die sich gemeldet hat. Es dauerte auch nicht lange und schon konnte ich das Werk in meiner Kindle-App lesen. Dieses Buch fällt genau in den Zeitrahmen, in dem ich mehrere Bücher für die Panem-Challenge lesen soll. Da ich für mich einfach kein Buch zum Monatsthema („Prunk, Luxus“) gefunden habe, kam mir diese Chance gerade recht.

Mariella Heyd – Als der Tod die Liebe fand

Mila genießt ihr Leben, bis sie von ihrer Krebsdiagnose überrumpelt wird. Innerhalb weniger Sekunden steht alles auf dem Kopf. Alles, was zuvor ihrem Alltag Farbe verliehen hat, verliert plötzlich an Intensität. Mila merkt schnell: Der Krebs ist ein Egoist, der alles an sich reißt. Im Krankenhaus trifft sie auf Mikael, der ihr über die Widrigkeiten der Chemotherapie und die Eintönigkeit des Krankenhausaufenthaltes hinweghilft. Allerdings steckt in Mikael mehr, als Mila ahnt. Er ist kein Mensch. Er ist gekommen, um Mila mit sich zu nehmen.

Eigentlich hatte ich in den letzten 20 Monaten genug vom Krebs. Zuviele Menschen sind in meinem Umfeld daran erkrankt, manche sogar daran gestorben. Mit dem für mich Wichtigsten unter ihnen kämpfe ich immer noch – um ein bisschen Alltag, um ein bisschen Routine, um ein bisschen Normalität – einfach um ein bisschen Leben. Daher trat ich dem Buch sehr skeptisch entgegen. In der Vergangenheit habe ich einige Bücher mit schweren Schicksalsschlägen als Thema gelesen, aber diese waren immer autobiografisch. In diesem besonderen Fall sollte es sich um ein Buch handeln, das fiktional war und einen Hauch Fantasy enthielt. Das machte mich natürlich noch skeptischer. Aber lies selbst:

Wenn du das dringende Bedürfnis verspürst, beim Lesen eines Buches Rotz und Wasser zu heulen, dann solltest du dringend „Als der Tod die Liebe fand“ lesen. Vor allem im letzten Drittel des Buches konnte ich nicht mehr an mich halten und habe nur noch geheult. Aber dazu später mehr!

Zu Beginn des Buches nimmt Mariella den Leser mit und stellt ihm die Protagonistin Mila vor – eine ganz normale junge Frau, die mit ihrer Familie in London lebt und sich durch ihren Alltag mogelt. Neben der Schule trifft sie sich mit ihrer besten Freundin Niki und erste zarte Bande von Verliebtheit knüpfen sich zwischen ihr und ihrem besten Freund Josh. Sie geht auf Partys, trinkt Alkohol und versucht ihren Platz im Erwachsenleben zu finden. Dann kommt der Schock – eine lang andauernde Erkältung entpuppt sich als akute lymphatische Leukämie.
Während Mila noch versucht ihren Schock zu verarbeiten, schlagen die Ereignisse über ihr ein.

Mariella hat die Empfindungen von Mila wunderbar eingefangen, auch wenn einige Szenen im ersten Moment etwas unglaubwürdig und wenig durchdacht erschienen. Andere Dinge hat sie wiederum gut recherchiert, auch wenn mir persönlich ein wenig der emotionale Kampf mit dem Krebs zu kurz kam. Krebs ist ein Arschloch – das weiß jeder, der schon einmal mit ihm zu tun hatte. Krebs ist egoistisch und schlagartig steht man alleine da. Während die Angehörigen, Freunde und Bekannte nach einem anstrengenden Krankenbesuch wieder nach Hause gehen können, muss der Patient im Krankenhaus bleiben. Für ihn bleibt die Zeit stehen und sein ganzes Dasein dreht sich nur noch um den Überlebenskampf. Die Gefahren, die mit einer klassischen Behandlung (Chemotherapie mit anschließender Bestrahlung) einhergehen, sind omnipräsent. Leider hat auch hier die liebe Mariella versäumt, etwas näher darauf einzugehen. Sie schleudert den Leser einfach in die Situation, dass Mila sich einen Infekt einfängt und dann auf der Isolationsstation landet. Es gibt aber kaum Beschreibungen was sie und ihre Familie im Vorfeld eigentlich alles beachten müssten und wie der Krebs das Leben aller Beteiligten auf den Kopf stellt. Sie befasst sich vielmehr mit dem Liebesdrama zwischen Mila und Josh und später zwischen Mila und Mikael. Versteh mich nicht falsch. Ich möchte keinem Krebspatienten die Liebe absprechen oder gar die Möglichkeit sich im Zuge seiner Erkrankung zu verlieben. Das passiert häufiger als man denkt. Aber mir fehlt ein wenig die Auseinandersetzung mit der Krankheit. Das Leben vor der Diagnose hört auf zu existieren. Es dreht sich alles nur noch um Zahlen, Medikamente, Therapien, Krankenhausaufenthalte. Das Arrangieren mit dem Krebs fehlt. Im Zuge dieser Thematik hätte dann durchaus auch die Liebe ihren Platz gefunden. Es wirkt in manchen Situationen einfach so, als wäre der Krebs nur eine Nebenbaustelle, während vor allem zu Beginn doch eigentlich alles drum herum die Nebenbaustelle darstellt.

Dennoch ist das Buch sehr gelungen. Es zeigt den Umgang mit Krebs, mit Hoffnung (die im Buch als kleine Personifizierung erscheint), mit Trauer und Verlust, mit dem bevorstehenden Tod auf eine andere Weise. Was mir persönlich sehr deutlich wurde: Ein Krebspatient kämpft am Ende oftmals nicht mehr für sich selbst, sondern für seine Lieben. Er schenkt ihnen Hoffnung um ihnen zu zeigen, dass es immer einen Grund gibt weiterzumachen, auch wenn er selbst den Grund vielleicht schon gar nicht mehr sieht oder er einfach bereits abgeschlossen hat.

Ich denke, dass das Buch vor allem jugendlichen Krebspatienten vielleicht auf eine ganz eigene Weise den Umgang mit dem Tod vereinfachen kann. Und genau dieser andere Ansatz, dieser neue Blick auf Hoffnung, Tod und Leben haben mich zum heulen gebracht. Ich lag im Bett und konnte nicht mehr aufhören, weil die Szenen an manchen Stellen so unglaublich viel Wahrheit enthalten haben.

Mein Fazit:
Mariella, ich bin der Meinung, dass das Buch durchaus noch ein wenig weiter ausgebaut werden könnte, aber dein Ansatz war wirklich super! Ich kann hier nur eine klare Leseempfehlung aussprechen. Leider hatte ich an manchen Stellen ein paar Hänger, weil sich Fehler eingeschlichen hatten (Rechtschreib-, Grammatik- und Interpunktionsfehler). Aber nichts Weltbewegendes. Ich bin schon sehr gespannt auf weitere Werke von dir! Und ganz wichtig: Behalte die Grafikerin deines Covers. Das schaut so wunderbar aus und passt ganz stimmig zum Inhalt des Buches!

Buchdetails

  • Format: Kindle-Edition
  • Dateigröße: 1096 KB
  • Verlag: neobooks (4. Januar 2017)
  • Sprache: Deutsch
  • ASIN: B01MS4YL6H
  • Preis: 2,99€

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