[Panem-Challenge] Gillian Flynn – Cry Baby

Wir haben noch Januar und deswegen kommt mein folgendes Buch auch in die Panem-Challenge. Diesmal passt es sogar zum Thema „Prunk, Luxus, Geld. Warum ich der Meinung bin, dass „Cry Baby“ zum Monatsthema passt? Weil die Protagonistin aus reichem Hause stammt. Ihre Familie besitzt „altes Geld“ und sie selbst muss für einen Artikel zurück in dieses Luxus-Leben, das sie eigentlich hinter sich lassen wollte.

Gillian Flynn – Cry Baby

›Babydoll‹ steht auf ihrem Bein. ›Petticoat‹ auf ihrer linken Hüfte. ›Böse‹ findet sich ganz in der Nähe. ›Girl‹ prangt über ihrem Herzen, ›schädlich‹ ist in ihr Handgelenk geritzt. Camille Preakers Körper ist übersät mit Wörtern. Wörtern, die sie sich in die Haut geritzt hat. Das letzte Wort, das sie sich einritzte, hieß ›verschwinden‹. Danach stellte sie sich. Den Therapeuten, aber auch ihrer Vergangenheit. In ihrer alten Heimatstadt Wind Gap wurden zwei Teenager entführt und ermordet. Camille Preaker soll den Fall für ihre Zeitung vor Ort recherchieren. Sie findet die Dämonen ihrer Kindheit. Und die verbreiten nicht nur Angst und Schrecken, sondern töten auch.

Dieses Buch hat mich von der ersten Seite an gefesselt. Ich habe nicht ganz vier Stunden gebraucht, dann hatte ich es beendet. Gillian Flynn schafft es auf ganz unnachahmliche Weise dem Leser eine Protagonistin vorzusetzen, die psychisch so kaputt ist, dass man nicht anders kann, als mit ihr zu fühlen. Ich bevorzuge ja Bücher, in denen nicht sofort klar wird, wer der Protagonist eigentlich ist, in denen man den Helden, Antihelden, Mörder, das Opfer scheibchenweise kennen lernt. Auf den ersten Seiten geht man davon aus, dass der Hauptcharakter des Buches ein ganz normaler Mensch ist – wie du und ich. Einer, der mit den Widrigkeiten des Lebens kämpft, sich eine Existenz aufgebaut hat und ja … einfach lebt. Aber dann erfährt man, dass der Charakter eine psychische Störung hat, vielleicht in seiner Vergangenheit etwas erlebt hat, was ihn verstörte, ja vielleicht sogar zerstörte.

Gillian Flynn schafft es, eine Protagonistin in ihr Buch zu setzen, die im ersten Moment gefestigt wirkt, die vielleicht nicht vollauf zufrieden mit ihrem Leben ist oder damit, was sie bisher erreicht hat, aber die dennoch ziemlich geerdet wirkt. Bis sie auf Grund ihres Jobs in ihre alte Heimatstadt zurückkehren muss und sich mit den Geistern der Vergangenheit konfrontiert sieht. Schnell habe ich festgestellt, dass Camille Preaker nicht irgendwer ist. Sie ist eine gebrochene Seele, die sich hinter ihren Wörtern versteckt, die sie sich als junge Erwachsene in die Haut geritzt hat.

Schritt für Schritt erfährt man, was in ihrer Jugend geschah, das sie so zerbrechlich hat werden lassen. Man findet heraus, wie tief psychische Verletzungen gehen können, die man durch die eigene Mutter erfährt. Selbst Reichtum, Geld und Macht können nicht darüber hinwegtäuschen, wie verdorben ein Mensch sein kann.

Ich fand es sehr faszinierend, dass Gillian Flynn ihrer Protagonistin eine Reihe von Ahnen gab, die unter dem gleichen oder einem ähnlichen Krankheitsbild litten, wie ihre Mutter: Dem Münchhausen-Syndrom und dem Münchhausen-Stellvertreter-Syndrom.

Nebeninformation:
Bei dem Münchhausen-Syndrom handelt es sich um ein psychisches Krankheitsbild, bei dem sich der Patient selbst krank macht oder krank erscheinen lässt (z.B. in dem er sich selbst vergiftet, Wunden zufügt, etc.) um das Mitleid von Angehörigen, Freunden und sogar von Ärzten, Schwestern, Pflegern, etc. zu erhalten. Prägnant ist dabei, dass der Patient häufig Symptome erfindet/dramatisch schildert, die so vage sind, dass sie zumeist aufwändige Untersuchungen nach sich ziehen – bis hin zu operativen Eingriffen. Wenn der Arzt auf eine psychische Störung zu sprechen kommt, wird der Arzt sofort gewechselt.

Bei dem Münchhausen-Stellvertreter-Syndrom präsentieren die Patienten stattdessen ihre Kinder als Behandlungsbedürftige. Damit einhergehend sind oft Kindesmisshandlungen, Vergiftungen, etc. die die von dem Patienten geschilderten Symptome belegen sollen. Auch hier ist das Ziel Mitleid zu erhalten bzw. sich selbst als aufopferndes Elternteil darzustellen.

Nicht selten gehen beide Erkrankungen Hand in Hand. D.h. der Patient leidet zuerst unter dem Münchhausen-Syndrom und richtet die verletzenden Handlungen gegen sich selbst. Bekommt er Kinder oder werden ihm Schutzbefohlene anvertraut, lenkt sich das Krankheitsbild bald auf eben jene.

Ich finde es ausgesprochen interessant, dass Gillian Flynn sich mit dieser Thematik befasst. Auch die Perspektive eines überlebenden Opfers ist sehr gut gewählt. Ich mag ihren Schreibstil und ihre Art die Dinge beim Namen zu nennen. In Gillian Flynn habe ich nach „Gone Girl“ und „Cry Baby“ endlich eine neue Autorin gefunden, die mir durch und durch zusagt. Ich bin schon sehr gespannt, was mich mit „Dark Places“ erwartet.

Buchdetails

  • Taschenbuch: 336 Seiten
  • Verlag: Fischer (21. Mai 2015)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3596032024
  • ISBN-13: 978-3596032020
  • Preis: 9,99€

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