Neurodermitis

Meiner Familie zufolge, leide ich seit meiner Geburt unter Neurodermitis. Schon während meiner Kindheit waren Hautarztbesuche so normal wie für andere der halbjährliche Check beim Zahnarzt. Doch helfen konnte mir keiner. Ich wurde zwischendurch auf die Pubertät vertröstet. Denn angeblich soll sich Neurodermitis bei Jugendlichen „verwachsen“, wenn sie sie schon seit der Geburt haben. Laut den Ärzten ist es sehr selten, dass Menschen, die als Säuglinge Neurodermitis hatten, diese Krankheit auch im Erwachsenenalter haben würden. Was soll ich sagen? Offenbar habe ich hier den Jackpot gewonnen: Ich bin mittlerweile Ende 20 und habe immer noch Neurodermitis.

Was ist Neurodermitis?

Wiki sagt dazu folgendes:

Das atopische Ekzem (griechisch ατοπία, atopía – ‚Ortlosigkeit‘, ‚nicht zuzuordnen‘; griechisch έκζεμα, ekzema – ‚Aufgegangenes‘) ist eine chronische, nicht ansteckende Hautkrankheit, die zu den atopischen Erkrankungen gehört.

Weitere geläufige Bezeichnungen sind Neurodermitis, atopische Dermatitis und endogenes Ekzem. Außerdem wird die Erkrankung auch als chronisch konstitutionelles Ekzem,
Asthmaekzem und Prurigo Besnier bezeichnet. Die Bezeichnung Neurodermitis stammt aus dem 19. Jahrhundert. Damals meinte man, die Ursache der Hauterkrankung sei eine Nervenentzündung. Später wurde diese Ansicht widerlegt, die Bezeichnung ist aber weiterhin geläufig.

Hauptsymptome sind rote, schuppende, manchmal auch nässende Ekzeme auf der Haut und ein starker Juckreiz. Die Erkrankung verläuft schubweise und hat ein individuelles, vom Lebensalter abhängiges Erscheinungsbild.

Das atopische Ekzem gilt als nicht heilbar, ist aber behandelbar. Die am meisten verbreitete Behandlung besteht hauptsächlich aus der Bekämpfung der charakteristischen Hauttrockenheit und der äußerlichen Anwendung von entzündungshemmenden Wirkstoffen. Es gibt weitere Therapien, die unter anderem nicht nur äußerliche Behandlungen einschließen, bspw. durch eine Ernährungsumstellung mit Einnahme von B-Vitaminen.

Für Betroffene bedeutet das in erster Linie:

  • Ungesund aussehende Haut (Rötungen, Bläschen, offene und schuppige Stellen)
  • Juckende Stellen (zumeist in Arm- und Kniebeugen, zwischen den Zehen und Fingern, am Hals und überall wo Nähte von Kleidung auf Haut treffen)
  • Offene Stellen, die bei Berührung mit Flüssigkeiten brennen
  • Lebensmittel- und Kontaktallergien (zumeist Walnüsse, Kiwi und Latex)
  • Stigmatisierung in der Gesellschaft

Da es sich bei Neurodermitis um eine Erkrankung der Haut handelt, kann von Kopf bis Fuß jede Stelle betroffen sein. Wer sich mit der Haut auskennt, weiß auch, dass die Haut der Spiegel der Seele darstellt. D.h., wenn es dir nicht gut geht, sieht man das oft auch an der Haut. Bei einem Neurodermitiker bedeutet das, dass sich die Neurodermitis verschlimmert, sogenannte Schübe sind die Folge. Oftmals kann man sagen, wenn die Psyche sich verschlimmert, verschlimmert sich auch die Neurodermitis. Und wenn sich die Neurodermitis verschlimmert, schlägt das auf die Psyche – ein Teufelskreis.

Die klassische Behandlung

Nun ist es so, dass verschiedene Ärzte natürlich auch verschiedene Ansätze haben, die nicht immer die Wirkung haben, die erzielt werden soll. So habe ich die Erfahrung gemacht, dass die meisten Ärzte gar nicht darauf eingehen, dass Neurodermitis z.B. auch ernährungsbedingt sein kann, sondern verschreiben direkt cortisolhaltige Salben. Cortisol ist für viele Ärzte das Wundermittel schlechthin. Auf lange Sicht gesehen, ist es aber kontraproduktiv.

Warum wird Cortisol überhaupt verschrieben?

Wiki sagt:

Cortisol oder auch Hydrocortison ist ein Stresshormon, das katabole (= abbauende) Stoffwechselvorgänge aktiviert und so dem Körper energiereiche Verbindungen zur Verfügung stellt. Seine dämpfende Wirkung auf das Immunsystem wird in der Medizin häufig genutzt, um überschießende Reaktionen zu unterdrücken und Entzündungen zu hemmen.

Cortisol wirkt in höheren Dosen entzündungshemmend und immunsuppressiv. Hydrocortison, wie die synthetische Form von Cortisol in der Pharmakologie genannt wird, wird zur Immunsuppression oral eingenommen oder intravenös injiziert. Hierbei muss aber beachtet werden, dass die Wirkung der intravenös applizierten Dosen die der oral verabreichten deutlich übersteigt, da Cortisol in der Leber metabolisiert wird (Glukoronidierung und anschließend Ausscheidung über die Niere, siehe First-Pass-Effekt). Jedoch ist diese Methode effektiver bei Erkrankungen mit gestreuten Symptomen wie Nesselsucht.

Zur entzündungshemmenden Wirkung (etwa bei Ekzemen) wird Hydrocortison als Salbe auf die betroffenen Hautpartien aufgetragen. Bei Gelenkentzündungen (beispielsweise durch Gicht) kann der Wirkstoff auch in das entzündete Gelenk injiziert werden.

Um zu verstehen, warum Cortisol verschrieben wird, muss man verstehen, dass Neurodermitis eine Art Autoimmunerkrankung darstellt. D.h. das Immunsystem des Körpers greift sich selbst an und reagiert mit einer allergischen Reaktion, die sich auf die für Neurodermitis typische Weise äußert. Cortisol wiederum wirkt immunsuppressiv. Dieses Wort kennen wir aus dem Bereich der Organtransplantation. Dem Patient werden Immunsuppressiva gegeben, damit das Immunsystem das fremde Organ nicht angreift und abstößt. Ähnlich funktioniert Cortisol bei unserer Haut. Die Immunreaktion wird gehemmt, wodurch die allergische Reaktion herabgesetzt wird. Das klingt im ersten Moment natürlich super. Denn Cortisol wirkt schnell und verschafft der Haut Zeit um zu heilen. Das Problem liegt aber tiefer, denn die Haut kann süchtig nach Cortisol werden. D.h. sie braucht immer höhere Dosen, damit Cortisol noch wirkt. Außerdem dünnt das Hormon die Haut aus und macht sie durchlässiger für Bakterien und Umwelteinflüsse. Bei einer Neurodermitikerhaut ist die natürliche Hautbarriere sowieso schon gestört, da ist eine ausgedünnte Haut nicht unbedingt das Resultat, was wir haben wollen.

Weitere Behandlungsmöglichkeiten

Oftmals geht die Cortisolbehandlung mit weiteren Behandlungen einher. So verschreiben einige Ärzte eine Lichtbehandlung um die Vitamin D-Produktion anzukurbeln. Außerdem legen viele Solariumbesuche nahe, da UVB-Strahlen ebenfalls entzündungshemmend wirken. Bei schweren Formen der Neurodermitis wird auch zu UVA1-Strahlen gegriffen um ein Abheilen der Ekzeme zu ermöglichen.

Es gibt unterschiedliche Medikamente, die verabreicht werden – dazu gehören u.A. Immunsuppressiva aus der Transplantationsmedizin, Antihistaminika sowie Kortison (innerlich bei schweren Schüben). Zusätzlich wird Vitamin D und E relativ hochdosiert verabreicht, da nicht selten ein Mangel mit einer Neurodermitiserkrankung einhergeht.

Außerdem sollen Betroffene potentielle „Provokationsformen“ vermeiden. Dazu gehören z.B. manche Waschmittel und Weichspüler, verschiedene Kosmetika, manche Stoffe wie z.B. Kunstfasern, Parfüme, Konservierungsstoffe, etc. Unterstützen kann man z.B. mit kurzen Bädern/Duschen, silberhaltiger Kleidung und Baumwolle/Wolle.

Alternative

IMG_9429_01Im Lauf meiner eigenen Neurodermitiserkrankung habe ich Möglichkeiten gefunden, die meine eigenen Schübe reduzieren, ein Abheilen fördern und vor weiteren Schüben schützen. Bevor ich dir jetzt hier aber lang und breit erkläre, was ich alles unternommen habe, möchte ich dich darauf hinweisen, dass meine Neurodermitis mit zwei weiteren Hauterkrankungen Hand in Hand geht. Aus diesem Grund fielen einige der klassischen Behandlungsmethoden raus, andere wiederum zeigten keinerlei Wirkung.

Ichthyosis Vulgaris (Fischschuppenkrankheit)

Photoallergische Dermatitis (auch bekannt als Sonnenallergie)

Alle drei Hautkrankheiten habe ich seit meiner frühesten Kindheit. Alle drei Krankheiten sind nicht heilbar, werden durch Stress schlimmer und äußern sich einer Allergie gleich. Problematisch wird es, weil Behandlungen der einen Krankheit oftmals konträr zur Behandlung der anderen Krankheit wirken. So soll man z.B. die Neurodermitisherde trocken halten um eine Verschlimmerung zu vermeiden, während man die Ichthyose eigentlich mit Feuchtigkeit pflegen sollte. Eine Neurodermitisbehandlung verschlimmert oft die Ichthyose und andersrum.

Für mich bedeutete das immer ein Abwägen. Wann behandle ich wie meine Haut? Und welche Symptome nehme ich zur Linderung anderer Symptome in Kauf? Darum werde ich dir am Ende noch meinen ganz persönlichen Weg aufschreiben. Vorher werde ich dich jedoch an dem Weg teilhaben lassen, der vielen Neurodermitikern Linderung verschafft hat.

Erfahrungsaustausch

Wichtig ist auf jeden Fall der Austausch mit anderen Betroffenen. Menschen, die ebenfalls unter der Neurodermitis leiden, haben ein anderes Verständnis für die eigene Erkrankung als Gesunde. Sie gehen anders mit dir um und teilen deine Ängste und Sorgen. Nicht selten haben sie selbst einen sehr langen Leidensweg hinter sich und können dir Tipps geben, an die dein Hautarzt vielleicht noch gar nicht gedacht hat. Wenn du aktiv in hautärztlicher Behandlung bist, musst du bei jeder Änderung deiner Routine Rücksprache mit deinem Arzt halten. Das hängt damit zusammen, dass deine Behandlung weiter angepasst werden kann. Somit können andere Faktoren ausgeschlossen werden. Führe Tagebuch über deine Ernährungsgewohnheiten, deine Pflegeroutine, etc. und sprich mit deinem Arzt.

Basische Bäder

Unsere Haut hat einen eigenen Säureschutzmantel. Der ist dafür nötig, dass Umwelteinflüsse, Bakterien, etc. nicht durch die Haut in den Körper gelangen. Diese natürliche Hautbarriere ist bei Neurodermitikern geschädigt. Basische Bäder helfen dabei, dass sich die Haut regenerieren kann um einen neuen Schutzmantel aufzubauen. Dazu ist es wichtig, dass du Natron in dein Badewasser gibst. Das simple Kaisernatron, das du in der Backwarenabteilung eines jeden Supermarktes kaufen kannst, ist hierbei ideal. Einfach 100g Natron auf ein Vollbad geben und genießen.

Achtung!
Anfänglich wird sich die Haut mit einem leichten Kribbeln bemerkbar machen. Das fühlt sich an wie Kohlensäure auf der Haut. Bei offenen Stellen kann das im ersten Moment etwas brennen. Das Brennen lässt relativ schnell wieder nach und auch das Kribbeln wird mit der Zeit weniger. Spätestens beim dritten Natron-Bad ist es verschwunden.

Dir wird auffallen, dass deine Haut nach dem Baden ungleich weicher ist, als davor. Das ist ein großer Vorteil von Natron im Badewasser. Die trockenen Hautstellen, mit denen man gerne an der Kleidung hängen bleibt und die auch das Jucken verursachen können, verschwinden nach und nach und verschaffen Linderung.
Außerdem wird deine Haut entgiftet. Das zeigt sich daher, dass dein Badewasser die ersten vier, fünfmal schlackig wirkt. Das Wasser ist gräulich und trüb. Auch das gibt sich im Lauf der Zeit. Deine Haut wird durch das Entgiften übrigens eine Zeit lang etwas säuerlich riechen. Aber auch das wird wieder verschwinden!

Kokosöl

Ja, auch bei den Neurodermitikern steht Kokosöl ganz hoch im Kurs. Kokosöl ist reich an Fettsäuren, die der Haut guttun, ihre Heilung unterstützen und sie vor äußeren Einflüssen schützen. Außerdem riecht es lecker, verursacht ein angenehmes Hautgefühl und ist gesund. Wichtig bei Kokosöl ist, dass es nativ und aus der ersten Pressung stammt. Weitere Pressungen sind auf Grund der Herstellung von den Stoffen beraubt, die wir im Kokosöl so hoch schätzen.

Kokosöl lässt sich auf verschiedene Weisen anwenden:

Innerlich

Äußerlich (im Bad, als Cremeersatz)

Bei diesem Artikel nehme ich nur die äußerliche Anwendung durch.

Zu Beginn der Umstellung auf Kokosöl bietet es sich an, etwa 1TL ins Natronbad zu geben. Das Öl pflegt und legt sich wie eine Schutzschicht auf die Haut. Allerdings sollten schon einige Natronbäder vorausgegangen sein, damit offene Stellen abheilen können. Denn das Kokosöl ist genau das, was man bei einem akuten Schub nicht haben möchte: Fettig. Bei einer abgeheilten Neurodermitis hilft Kokosöl aber zu verhindern, dass die trockenen Stellen durch Bewegung wieder aufreißen (diese aufgerissenen Stellen sind u.A. einer der Gründe, warum es zum nächsten Schub kommt). Du hältst die Haut dadurch schön geschmeidig.

Sobald sich die Haut an diese Form der Behandlung gewöhnt hat, kann du Kokosöl auch als Cremeersatz nach dem Baden/Duschen anwenden. Wichtig ist, dass die Haut noch feucht ist, bevor du das Öl anwendest. Durch die Feuchtigkeit wird das Öl zu einer Art Emulsion und zieht besser ein. Denn Kokosöl kann bei trockener Haut angewendet austrocknend wirken.

Achtung!
Kokosöl wird in Gläsern in fester Form verkauft. Es schmilzt bei 25° Umgebungstemperatur oder bei Hautkontakt.

Kolloidales Silber

Bei kolloidalem Silber handelt es sich um ultrafeine Partikel von elementarem Silber – sogenanntes Nanosilber. Diese Partikel sind so fein, dass sie ohne Schwierigkeiten in Cremes/Lotionen oder auch im Silberwasser verwendet werden können ohne zu schmirgeln. Sie sind nicht mal mehr mit einem Lichtmikroskop sichtbar. Der Vorteil von kolloidalem Silber ist, dass es Bakterien und Pilze ausschaltet und antimikrobiell wirkt. Bei der äußerlichen Anwendung in Form von Cremes/Lotionen oder Silberwasser führt das dazu, dass die Haut sich um die Selbstheilung kümmern kann und nicht noch damit beschäftigt ist, Eindringlinge von außen abzuwehren.

Wichtig!
Kolloidales Silber funktioniert nur als Ergänzung und nicht als Alleintherapie, da das Nanosilber nicht alle Einflüsse von außen deaktivieren kann.
Außerdem darfst du nicht vergessen, dass auch Nanosilber unerwünschte Nebenwirkungen haben kann – wie z.B. das Einlagern von Silber im Organismus, was zu Schmerzen im Oberbauch führen kann.

Naturkosmetik

Ein Umstieg auf Naturkosmetik kann wahre Wunder bewirken. Das hängt damit zusammen, dass z.B. solche Dinge wie künstliche Parfüme, chemische Verbindungen zur Reinigung, Weichmacher, etc. nicht darin vorkommen. Ganz toll sind selbstgesiedete Seifen. Diese enthalten nur natürliche Stoffe und sind für die Haut angenehmer, als industriell gefertigte Seifen. Bezugsquellen sind z.B. Mehlhose, Sauberkunst, Seifenfrau, Seifen vom Weinberg, Savion und – mein persönlicher Favorit – Seifenträume aus Aspach. Bitte google die Adressen eigenständig.

Ganz toll bei Neurodermitis sind sogenannte Soleseifen. Diese enthalten hochdosiertes Salz, das eine ähnlich gute Verträglichkeit darstellt, wie Meerwasserbäder. Aber Achtung! Salz in offenen Wunden kann wirklich, wirklich weh tun. Allerdings desinfiziert es, ist antibakteriell und reinigt.

Deine Entscheidung, dein Weg!

Es ist wichtig, dass du deinen eigenen Weg findest. Das bedeutet aber auch, dass du oftmals lange Zeit testen musst, bevor du etwas findest, das bei dir hilft! Gib deiner Haut Zeit, sich an die neue Routine zu gewöhnen, bevor du sagst „Dies und das wirkt nicht“. Die Haut braucht Zeit für eine Umstellung. Es gibt Wege, die verschaffen sofort eine gewisse Linderung, darüber hinaus helfen sie aber gar nicht. Und dann gibt es Möglichkeiten, die scheinen im ersten Moment gar nicht zu wirken, helfen aber auf lange Sicht. Zu guter Letzt gibt es aber auch die Erstverschlechterung bevor eine Verbesserung eintritt.
Wenn du in ärztlicher Behandlung bist, ist es unerlässlich, dass du dich mit deinem Arzt besprichst. Manchmal kann es auch helfen, einen Psychotherapeuten aufzusuchen. Damit will ich nicht sagen, dass du verrückt bist oder dergleichen. Aber ein Therapeut kann dir dabei helfen, mit deinem alltäglichen Stress anders umzugehen. Auch kann er dir helfen, die Neurodermitis anders anzuerkennen um aus dem Teufelskreis auszubrechen. Er unterstützt dich emotional und psychisch, was bei der Neurodermitisbehandlung essentiell ist.

Meine Entscheidung, mein Weg!

Ich hatte ja bereits oben schon geschrieben, dass ich auf Grund meiner drei Grunderkrankungen einen etwas anderen Weg einschlagen musste, als andere. Mir war z.B. sehr wichtig, dass ich kein Cortisol mehr verwenden würde. In meinem Testbericht zum Thema Neurodermitis und Glas habe ich bereits beschrieben, wie ich von Hautarzt- und Apothekenprodukten zu Lush wechselte, wie ich Kunststoff versuchte zu verbannen und was ich sonst noch unternommen habe. Der Artikel ist von April 2013. Seither gab es einige Veränderungen in meinem Leben, die dazu führten, dass ich mittlerweile fast beschwerdefrei bin.

  1. Ich verbannte Stressfaktoren
    Wir kennen es alle: Freunde, Bekannte, Arbeit, Familie, etc. Sie alle zerren und ziehen an einem. Man will sich am liebsten mehrteilen, damit man jedem gerecht werden kann. Dumm nur, dass das nicht klappt. Wir sind überfordert, die 24 Stunden eines jeden Tages reichen vorne und hinten nicht aus und am Ende sind wir ausgelaugt, müde, erschöpft und wollen uns einfach nur verkriechen. Anstatt uns eine Auszeit zu nehmen, rennen wir aber gleich wieder zum nächsten Treffen, spielen Telefonseelsorge oder leisten Überstunden.
    Mir blieb am Ende nur noch diese Stressfaktoren zu streichen. Es klingt total egoistisch, aber Menschen, die mir Energie stehlen aber sonst keinerlei Mehrwert bieten, waren die längste Zeit Teil meines Lebens. Ich habe mir Ruhepole eingerichtet und nehme mir Zeit für mich – und sei es, dass ich mich für 1 ½-2 Stunden in die Badewanne lege und die Welt Welt sein lasse.
  2. Realisieren, dass die Last der Welt nicht auf den eigenen Schultern liegt.
    Wir neigen dazu, dass wir die Welt retten wollen, dass wir alle Probleme lösen wollen, dass wir uns verantwortlich für die Geschwüre im Leben anderer zeichnen. Blöd nur, dass wir das a) nicht können und b) nicht sind. Veränderungen finden im Kleinen statt. Die Welt lastet nicht auf unseren Schultern und manche Probleme müssen nicht sofort gelöst werden. Niemand verlangt von dir, allen Menschen in deinem Leben den Rücken zu kehren oder nicht mehr deinen Wertvorstellungen zu folgen. Aber wäre es nicht gesünder einen Gang runterzuschalten?
  3. Natron, Natron, Natron
    Ich persönlich habe festgestellt, dass Natron für mich das Mittel der Wahl darstellt. Ich bade nur noch darin und ergänze maximal mit Ölen oder Tee.
  4. Kokosöl
    Auch dieses Mittel ist so etwas wie meine persönliche Geheimwaffe. Ich nutze es als Labello- und Lotionersatz, bade darin und habe so Dinge wie Rasiergel etc. aus meinem Leben verbannt. Meine Haut dankt es mir. Übrigens habe ich seitdem keinen einzigen Schnakenstich mehr gehabt!
  5. Alternativen schaffen
    Hin und wieder gönne ich mir auch Bäder mit Kokosmilch. Eine Zeit lang konnte ich 100%ige Kokosmilch bei meinem Lieblingsasialaden kaufen. Leider beziehen sie das nicht mehr. Seither suche ich nach einer Alternative. Denn die meisten, die man so kaufen kann, enthalten z.B. Guakernmehl – das fungiert als Stabilisator, hat aber nichts in der Kokosmilch verloren.
    Außerdem habe ich statt Cortisolcreme eine Zinksalbe hier.
    Ich habe meine Behandlung mittlerweile in die Hände meines Hausarztes gelegt, da ich bisher noch keinen Hautarzt gefunden habe, der auch nur im Ansatz was taugt. Mein Hausarzt hingegen ist ein Allgemeinmediziner mit Schwerpunkt auf ganzheitliches Naturheilverfahren. Er kennt auch meine Sorgen, dass Cortisol die sowieso schon kaputte Hautbarriere durchdringt und sich im Körper einlagert. Für den Fall dass alle Stricke reißen, hat er mir Monovo 1g-Creme nahe gelegt. Diese enthält ein Glucocorticoid, das rein äußerlich wirkt und auf Grund seiner chemischen Eigenschaften nur minimalst durch die Haut in den Körper gelangt. D.h. es ist eine Creme, die lokal wirkt und den Organismus nicht so belastet, wie es mit anderen Präparaten der Fall ist.
    Diese Creme habe ich immer in der Hausapotheke. Denn in der Vergangenheit gab es den einen oder anderen Schub, der anders nicht erträglich war.
  6. Nahrung umstellen
    Ich habe angefangen, meine Ernährung umzustellen. Ich habe zwar früher schon gern gekocht, aber mittlerweile habe ich das meiste Fast Food aus meinem Leben verbannt. Ich war seit einer Ewigkeit nicht mehr bei McDonald’s & Co. Essen. Wenn Mister X und ich essen gehen, gehen wir zumeist in Lokale, die frisch und regional kochen. Eine tolle Anlaufstelle für richtig leckeres, griechisches Essen mit lokalen und frischen Zutaten ist z.B. das Concept L in Schorndorf.
  7. Naturkosmetik
    Ich bin vor einiger Zeit auf Naturseifen umgestiegen, mit denen ich meine Haut und Haare reinige. Außerdem habe ich einen Teil meiner dekorativen Kosmetik auf Naturkosmetik umgestellt um Allergene auszuschließen.
  8. Hormonelle Empfängnisverhütung? Nein, Danke!
    Seit drei Jahren verzichte ich auf die Pille und auf jegliche andere hormonelle Verhütung. Zwar hatte ich anfänglich vermehrt Akne und auch jetzt habe ich noch keine reine Haut, aber dafür geht es meiner Neurodermitis, der Ichtyose und der Sonnenallergie besser. Ich fühle mich wohler und kann – auf mentaler Ebene – meine Haut und ihre Eigenheiten besser akzeptieren.
  9. Verzicht auf Weichmacher
    Komplett auf Kunststoff im Alltag kann ich noch nicht verzichten. Dazu bin ich zu sehr ein Kind der Generation Tupperware & Co. Aber ich achte z.B. darauf, dass ich keine dünnwandigen PET-Flaschen kaufe, da bei ihnen der Anteil an Weichmachern höher ist als bei dickwandigen. Wenn möglich nutze ich Glasflaschen und -behälter. Aktuell versuche ich statt Weichspüler Essig zu nehmen. Zwar hatte ich einen Weichspüler gefunden, der meine Haut nicht zu weiteren Schüben verleitete, aber der wurde leider aus dem Sortiment genommen.
  10. Zeit für mich
    Ich habe irgendwann in meinem Leben gelernt, auf meinen Instinkt zu hören. Seitdem ich auch auf meine Haut und meinen Bauch höre, weiß ich immer, was mir gut tut und was nicht, was mir Sorgen bereitet, was mich stresst, etc. Ich habe wieder mit Zeichnen/Malen angefangen, greife wieder zur Kamera und kuschle mit den Katzen. Auch Mister X – oder vor allem er? – stellt eine Art Ruhepol dar, an den ich mich zurückziehen und entspannen kann. Ich bin, im Großen und Ganzen, entspannter und weniger gestresst. Es ist zwar alles noch nicht perfekt und wir haben auch nach wie vor Situationen, die sich hoffentlich im Lauf der nächsten Monate in Wohlgefallen auflösen, aber alles in allem bin ich gefestigter, ruhiger, geerdeter und es geht mir besser.

Es hat einige Zeit gedauert, aber mittlerweile „schneit“ es nicht mehr, wenn ich das T-Shirt ausziehe, meine Haut ist weich und elastisch. Ich hatte seit einem halben Jahr keinen Neurodermitisschub mehr und auch meine Sonnenallergie ist auf ein Minimum zurückgegangen, dem ich mit simpler Sonnenmilch entgegenwirken kann. Perfekt ist meine Haut noch nicht – das wird sie wohl aber auch nie sein. Ich habe mich damit abgefunden, dass ich immer Neurodermitis haben werde, dass meine Haut niemals perfekt sein wird und dass sie auch niemals gesund werden würde, aber das macht den Umgang mit der Grunderkrankung leichter.

Welche Erfahrungen hast du mit Neurodermitis gemacht? Oder hast du vielleicht auch eine der anderen Erkrankungen? Welchen Weg bist du bisher gegangen? Was hat dir Linderung verschafft?

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1 Kommentar

  1. Narada sagt: Antworten

    Vielen Dank, super geschrieben! 🙂

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