[Leseecke #9] Stephan Harbort – Killerfrauen

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Manchmal komme ich auch auf ganz anderem Weg an neue Bücher, über die ich schreiben darf. Wie in diesem besonderen Fall der Killerfrauen von Deutschlands bekanntestem Serienmordexperte Stephan Harbort. Er rief nämlich auf Facebook zu Rezensionen auf und vergab Freiexemplare mit Widmung und Unterschrift.

Der Serienmord-Experte Stephan Harbort erzählt in seinem hochspannenden neuesten Buch „Killerfrauen“ packend beispielhafte Fälle von Serien-Mörderinnen. Harbort analysiert die Motive, Hintergründe und Persönlichkeitsprofile von Mörderinnen: Eine Krankenschwester, die im Namen Gottes Patienten ermordet. Zwei junge Frauen, die ihre Untergebenen in der Drückerkolonne mit Baseballschlägern prügeln und foltern. Eine Eis-Verkäuferin, die ihre Exmänner erschießt. Deutschlands führender Serienmord-Experte Stephan Harbort gibt beklemmende Einblicke in die Abgründe der Seele. Denn Frauen töten anders.

Stephan Harbort – Killerfrauen

 

Ursprünglich bin ich davon ausgegangen, dass … ja, wovon bin ich eigentlich ausgegangen? Von einem fiktiven Thriller, mit psychoanalytischen Bestandteilen? Von einem hochspannenden Tatsachenbericht, der mich in die Abgründe der weiblichen Seele führt?
Wovon ich jedoch nicht ausgegangen bin, war ein unglaublich interessantes Fachbuch, indem Harbort verschiedene Fälle von Serienmörderinnen auseinandernimmt und dem Leser einen irrwitzigen Einblick in die Psyche der wohl grausamsten Mörder der Welt zu geben – Frauen.

Wenn man in den Nachrichten oder in Zeitungen von Serienmördern hört oder liest, dann sind das immer Männer. Männer, die andere Männer töteten, Männer die Frauen töteten, Männer die Kinder töteten. Diese Taten sind oft widerwärtig, niederträchtig, meistens jedoch auf absurde Weise absehbar. Bei Frauen ist das anders. Frauen töten anders, Frauen haben andere Beweggründe. Und was ihre Taten noch unvergleichlich grausamer werden lässt, ist die Abgebrühtheit, die sie an den Tag legen, wenn sie als Mütter ihre eigenen Kinder töten, die sie neun Monat in ihrem Leib getragen und genährt haben, wenn sie als Vertrauensperson alte Männer um ihr Hab und Gut bringen um sie dann zu töten oder wenn sie Patienten umbringen – aus Mitleid? Als Sterbehilfe? Oder weil ihnen selbst alles zuviel wurde?

Frauen als Serienkillerinnen – Killerfrauen

Das Erschreckende an diesem Buch war nicht, dass Frauen morden, sondern wie sie morden. Die Perfidität in ihren Taten hat mich mehr als einmal zusammenzucken lassen. Stephan Harbort hat sich im Vorfeld zu diesem Buch mit einigen der Frauen, die er thematisiert, in Verbindung gesetzt, hat ihre Sicht der Dinge beleuchtet – zumindest in den Fällen, in denen es möglich war. Was alle Frauen gemein haben: nach außen hin wirken die meisten von ihnen, als würden sie ihre Taten bereuen. Aber wenn man der Analyse im Nachgang der jeweiligen Geschichten Glauben schenkt, dann sind diese Frauen eiskalt. Die Taten geschahen nicht im Affekt, weil sie eifersüchtig auf eine Kontrahentin waren, weil sie überfordert waren oder aus welchem „mildernden“ Grund auch immer. Sie geschahen meist mit vorhergehender Planung. Anstatt dass die Frauen nach der ersten Tat Hilfe suchten oder vor der nächsten Tat zurückzuckten, sanken ihre Hemmschwellen und sie mordeten wieder und wieder.Es ist sehr interessant, wie Harbort die Fälle beleuchtet, ohne von seiner Position als Wissenschaftler (BEOBACHTEN!) abzuweichen. Er untersucht die Fälle, bezieht aber weder Position für noch gegen die Frauen. Auch spricht er ihnen das Mensch sein nicht ab, was in meinen Augen die Taten vermutlich noch grausamer erscheinen lässt.

Killerfrauen als Eheringersatz? – eine Anekdote

Vor allem wir Frauen kennen das Problem zur Genüge: Da sitzt man nichts ahnend ohne Begleitung in Bus oder Bahn und liest ein Buch. Leider gibt es dann immer wieder solche Herren der Schöpfung, die uns Damen dann gerne als Freiwild betrachten. Man kann sie ja mal anbaggern.

Ich sitze also in der Bahn von Backnang zurück nach Hause. Vor einigen Minuten noch war ich beim Augenarzt gesessen und habe eine sehr schmerzhafte Untersuchung über mich ergehen lassen. Die Kopfschmerzen wurden mit jeder Station, an der die Bahn hielt, schlimmer und ich wusste, ich würde es nicht bis nach Hause schaffen, bevor die Migräne ausbrechen würde. Passende Medikamente? Fehlanzeige. Somit war meine Laune schon im Keller, als ich das Buch auspackte und mich wieder mit den psychischen Abgründen meiner Geschlechtsgenossinnen befasste. Die Sitzsituation war wie folgt: normale S-Bahn, ich saß in einem Vierer-Abteil unmittelbar vor einer Tür in Fahrtrichtung.

Irgendwann fiel mir ein junger Kerl auf; er war vermutlich Anfang 20. Der junge Mann stand an der Tür und behielt mich im Blick. Das ist etwas, was ich noch nicht mal bei Mister X brauchen kann – wenn man mich beim Lesen beobachtet. Der Mann stand da also und betrachtete mich, während ich in mein Buch vertieft dasaß. Nach drei weiteren Stationen starrte er mich immer noch an. Hatte der noch nie eine Frau gesehen? Oder hatte er womöglich noch nie eine Frau mit Buch gesehen? Ich warf verstohlene Blicke durch die Bahn: Die wenigen Menschen, die mit mir den Waggon teilten, starrten in ihre Handys oder Löcher in die Luft. Ich war die Einzige mit Buch. Vermutlich hatte er tatsächlich noch nie eine Frau in der Öffentlichkeit ein Buch lesen sehen.

Flirten? Kann ich. Nicht.

Ich dachte mir, dass ich ja eigentlich kein schlechter Mensch sei, also könnte ich seinen Blick ja mal erwidern. Ich hob meine Augen, sah ihm entgegen und er begann über das ganze Gesicht zu strahlen. Dann deutete er auf mein Buch, reckte anerkennend beide Daumen nach oben und grinste. Offenbar fand er gut, dass ich in der Bahn saß und las. Ich konnte nicht anders und richtete mein Buch so auf, dass er den Titel lesen konnte – Killerfrauen. Er las den Titel, starrte ihn regelrecht an. Dann sah ich, wie es in ihm zu arbeiten begann. Er schluckte heftig, wurde kreidebleich und trat dann die Flucht nach vorn an. Nämlich in den vorderen Teil des Zuges. Weg war er. Flirten? Kann ich. Nicht.

Fazit

Das Buch fand ich super. Es war kein klassischer Pageturner, aber durchaus sehr lesenswert und informativ. Es hat Spaß gemacht zu lesen und ich war sehr fasziniert davon, welche Fälle Harbort für sein Werk gewählt hat. Von der Patientenmörderin über die Kindsmörderin bis hin zur schwarzen Witwe war alles dabei. Den Aufbau des Buches fand ich sehr gut. Zuerst der Fall, dann die Analyse. Einmal sogar mit einem textlichen Interview. Hinten im Buch gibt es dann noch Falltabellen, aus denen ersichtlich wird, welche Soziale Gruppen eher dazu neigen, zur Serienkillerin zu werden. Das war definitiv nicht der letzte Harbort, den ich gelesen habe!

Killerfrauen? Eine klare Kaufempfehlung von mir!
Buchdetails:

  • Verlag: Knaur (1. März 2017)
  • Seitenzahl: 239
  • Sprache: Deutsch
  • Abmessung: 190mm x 125mm x 20mm
  • Gewicht: 211g
  • ISBN-13: 9783426788660
  • ISBN-10: 3426788667
  • Preis: 9,99

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