Deutschland, Deutschland über alles

Manchmal schäme ich mich richtiggehend für unser Vaterland. Deutschland, Deutschland über alles und am Ende zählen doch nur Zahlen und der Reiche. Der Pöbel ist nichts wert und am Ende leidet der kleine Mensch, der, der in der Hierarchie ganz unten steht.

Heute hatte ich das unglaubliche Vergnüngen in dem Laden mit dem großen roten A, bzw. in der Unterkategorie mit dem falschgeschriebenen J vorsprechen zu dürfen. Einen Nervenzusammenbruch, viele Tränen und einen Anruf der Security später bin ich um eine Erfahrung reicher. Mir bleibt wohl doch nur der Sprung von der Brücke.
Ja, ich habe in meiner Vergangenheit einige Fehlentscheidungen getroffen, das ist mir durchaus bewusst, aber egal, wie ich es jetzt versuche zu kitten, mir werden Steine von Himalayagröße in den Weg geschoben. Wenn ich versuche, drum herum zu laufen, werd ich zurück geschickt. Gehe nicht über Los, ziehe keine 200 DM ein. Sollte ich auf den widersinnigen Gedanken kommen, oben drüber zu klettern, werd ich wieder runtergeschubst. Aufgabe ist es, jeden Brocken, jeden Krümel, jedes Sandkorn einzeln wegzukarren. Dass ich mich dabei Zugrunde richte, ist dem GESETZGEBER egal. Das ist übrigens das Unwort des Jahres – und das Jahr hat erst angefangen o.O – Gesetzgeber. Wer hat dieses Wort erfunden? Und wer hat unseren Paragraphenreitern erlaubt, sich bei jeder Aussage hinter unserem Gesetzgeber zu verschanzen?
Mein Ziel ist es, dass ich eine Zukunft habe, eine Perspektive, wie mein Leben weitergehen soll. Und nicht, dass ich in einem halben Jahr da stehe, wo ich jetzt bin und nicht weiß, wie es weitergeht, wo mein Weg lang führt. Der Gesetzgeber prahlt damit, dass Deutschland ein Sozialstaat ist. Manche Menschen sind da wohl auch stolz drauf, aber die haben wohl noch nie am Existenzminimum gelebt. Es ist diskriminierend, dass ich Auskunft über meine Ausgaben geben muss. Was geht es die Herren und Damen von dem Laden mit dem falschen J an, in welchem verfickten SCHEISSLADEN ich einkaufe? Oder wie oft ich bei AMAZON bestelle? Und was geht das den Gesetzgeber an? Betreiben die etwa Marktforschung, während sie damit beschäftigt sein sollten, mir zu helfen? Wo bitte bleibt die hochgelobte Unterstützung durch Vater Staat? Und ich rede nicht davon, dass ich Geld haben möchte – das wollen wir ja alle. Nein, ich möchte einfach, dass man mir nicht noch mehr Steine in den Weg räumt. Wo ist denn bitte das Problem, wenn man die Zügel in Puncto Bewerbungen etwas lockerer lässt, während ich mein Abitur nachhole? Laut unserem Gesetzgeber habe ich NICHT das Recht mein Abi nachzuholen, weder über Abendschule, noch über ein Fernstudium, da ich somit NICHT in der Lage bin, Vollzeit den Ämtern zur Verfügung zu stehen. Ich hab ja Seminare, bei denen ich erscheinen muss (insgesamt drei, wenn man das Fernstudium nimmt) und ich muss ja nach Hamburg zur Abschlussprüfung.
Laut dem Gesetzgeber ist es für eine Bedarfsgemeinschaft, wie die meine, ZUMUTBAR, wenn beide Parteien einen Minijob annehmen, egal ob das finanziell machbar ist oder nicht. Alles, was wir über 165€ monatlich dazu verdienen, wird von meiner Regelleistung abgezogen. Danke fürs Gespräch. Ein Minijob wird nicht versteuert, wird nicht angerechnet, wenn ich eine sogenannte Umschulung machen möchte um in verkürzter Zeit eine Ausbildung zu machen – eine Möglichkeit, wenn man zu alt für eine Regelleistung ist, aber bereits min. 3 Jahre versteuert gearbeitet hat. Da kommt Freude auf.
Ich lasse die Hosen runter und bekomme zu hören, dass dies und sel und jenes vom Gesetzgeber so nicht vorgesehen ist, und ich mich doch als Deutsche damit zufrieden geben solle, was man mir stellt. Ah ja. Jeder der mich kennt, weiß, dass ich alles bin, nur nicht rassistisch. Aber wenn ich an diese verdammten Ämter denke, dann wundert es mich nicht, dass es immer mehr Rassisten gerade in der Unterschicht gibt. Die Ämter bieten uns doch eine perfekte Vorlage. Wenn ein Asylbewerber hier aufschlägt und in gebrochenem Deutsch – wenn überhaupt – Geld will, dann wird ihm alles in den Hintern geschoben. Er bekommt sogar ein STARTKAPITAL. Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Ihm wird alles gestellt, was er braucht und will. Er bekommt sogar einen Dolmetscher und einen Übersetzer. Anträge werden vorsorglich in verschiedenen Sprachen abgedruckt. Damit auch ja jeder die gleiche Chance hat. Gleiche Chance? Für wen? Für den kleinen Deutschen, der Hände ringend versucht, irgendwie sein Leben auf die Reihe zu kriegen? Von gleicher Chance kann hier keine Rede sein. Wir müssen uns allein durch die Anträge wühlen, bekommen keine konkrete Auskunft, was uns zusteht und in den Hintern geschoben bekommen wir sowieso nichts. „Der Gesetzgeber sieht vor …“ blablabla.
Nein, ich wollte keinen Zuschuss vom Amt für mein Abitur. Ich wollte eigentlich nur, dass man mir ausnahmsweise mal den Weg freihält, damit ich in einem halben Jahr nicht wieder dastehe. Ich will doch nur mein Leben auf die Reihe kriegen. Aber das scheint im Sozialstaat Deutschland nicht möglich zu sein. Die Unterschicht wird gedisst, gemobbt, diskriminiert und am Ende wird behauptet, dass Deutschland keine Unterschicht hat. Ah ja. Und was bin dann ich? Die Ausnahme? Logisch.
Das beste Argument des Tages: Sie fallen doch nicht durch das Raster, es gibt vom Gesetzgeber (wieder dieses Wort) kein Raster.
Klar, ich bin U25. Somit haben wir doch schon das erste Raster. Mir stehen weder die normalen Regelleistungen der Ü25-jährigen zu, noch die Kannleistungen. Ein Ü25-jähriger bekommt Umschulungen, Weiterbildungen, Fortbildungen, Neubildungen. Ich mit meinen U25 habe – wenn es nach dem Gesetzgeber geht – wieder bei meiner Mutter einzuziehen. Juchu! Und sowas nennt sich Sozialstaat.

An Tagen wie heute stellt sich mir die Frage, ob unser Gesetzgeber überhaupt fähig ist zu denken. Die Unterschicht darf sich anhören, dass sie dem Staat auf der Tasche liegt, aber provoziert das nicht der Staat? Einmal Hartz IV, immer Hartz IV. So schaut es in der deutschen Gesellschaft doch aus. Vom Tellerwäscher zu Millionär geht nur in Amerika. Oder mit ganz viel Vitamin B.
Wenn ich daran denke, dass ich dem Staat auf der Tasche liege, frage ich mich, warum der Gesetzgeber dann nicht alles daran setzt, dass sich das auf lange Frist ändert. Wenn ich jetzt in einen Minijob vermittelt werde, dann ändert das nur die Statistik. Wenn ich aber in einem halben Jahr wieder dastehe, liege ich erneut dem Staat auf der Tasche. Wenn ich jetzt aber alles daran setze – und man mir nicht auch noch Schläge in den Rücken erteilt, wenn ich gerade dabei bin wieder aufzustehen – mein Abitur zu machen, eine Ausbildung zu bekommen, endlich ein gesellschaftskonformes Leben zu führen, dann verdient der Staat an mir: Steuer, ALGVersicherung, Krankenversicherung, gesetzl. Rentenvorsorge. Der Staat verdient sich an der arbeitenden Bevölkerung eine goldene Nase. Läge es da nicht im Sinne des Gesetzgebers, mich dahingehend zu unterstützen, dass ich ein vollwertiges und vollzahlendes Mitglied der Gesellschaft werde und nicht weiter von einem Job zum nächsten dümpel, nur um dem roten A oder dem falschen J gerecht zu werden und zwischendurch immer wieder bei denen aufzuschlagen um erneut die Hosen runter zu lassen und festzustellen, dass sich rein gar nichts geändert hat?

Egal, wie ich es drehe und wende. In unserem sozialen Rechtsstaat geht so einiges schief und im Bezug auf Hartz IV werden Verbrechen am Menschen verübt. Ein Raubkopierer, sitzt ewig im Knast, ist verpönt und darf Unsummen an Geldstrafen bezahlen. Aber wenn es um die Verletzung der Menschenrechte geht, um Verletzung der Grundrechte, dann verschließt die Justiz beide Augen. Es geschieht ja mit dem Wohlwollen des GESETZGEBERS!!


 
 
 

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